Politische Bildung für die Migrationsgesellschaft
Wie sieht eine Politische Bildung aus, die sich an alle Jugendlichen richtet? Und wie lässt sich diese konkret umsetzen? Diesen Fragen gingen Lehrpersonen und Expert*innen an zwei Workshops im Polit-Forum Bern nach.
Das Projekt Toolbox politische Partizipation entwickelt partizipativ eine Toolbox für die Politische Bildung auf der Sekundarstufe I. Es sollen innovative Materialien und Ansätze entstehen, die politische Beteiligungsformen und Schweizer Demokratie aus migrationsgesellschaftlicher Perspektive thematisieren.

Workshop 1: Grundlagen und Leitlinien
Am ersten Workshop vom 22. August 2026 setzten sich Lehrpersonen sowie Expert*innen für Politische Bildung, Diversity und Migrationsforschung mit Fragen zu Demokratie, Zugehörigkeit, Rechten und Pflichten sowie Identitäten auseinander. Zudem beschäftigten sie sich damit, wie Schule ein Übungsfeld für gemeinsames demokratisches Gestalten sein kann. Basierend darauf begannen sie, Leitlinien zu skizzieren, die für die Toolbox richtungsweisend sein sollen.

Ausgehend davon hat das Projektteam acht Entwicklungsprinzipien erarbeitet:
Die Toolbox richtet sich an alle Schüler*innen der Sek I, unabhängig von Nationalität, Geschlecht, Behinderung, Religion oder Hautfarbe. Dabei gilt: Jede Person kann je nach Situation Minderheit oder Mehrheit sein — Inklusion heisst nicht Gleichmachen, sondern das Adressieren und Reflektieren unterschiedlicher Ausgangslagen.
Die Materialien müssen die Schweizer Wohnbevölkerung repräsentieren, Perspektivenvielfalt bieten und die Diversität der Schüler*innen abbilden.
Schulen gehen aktiv auf Vereine und Organisationen mit guter Teilhabepraxis zu und machen deren Erfahrungen für den Unterricht nutzbar (z. B. Mitbestimmung im Fussballverein als Vorbild für die Klasse, Schüler\*innen stellen ihren Verein vor).
Die Materialien zeigen konkrete Wege politischer Beteiligung ohne Schweizer Pass auf und machen sichtbar, dass sich Verbündete in Bevölkerung und Politik finden lassen, um gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.
Betroffene Jugendliche werden aktiv in die Entwicklung einbezogen. Im Zentrum steht die ehrliche Reflexion eigener Strategien — nicht die Fremdzuschreibung durch Dritte. Ziel ist eine Staatskunde «über und für alle», in der sich alle Nutzer*innen wiederfinden.
Verfügbar in den Landessprachen sowie je in einfacher Sprache — als durchgängiges Gestaltungsprinzip, nicht als nachträgliche Übersetzung.
Flexibel einsetzbar, aktualisierbar und an den jeweiligen Unterrichtskontext anpassbar; möglichst interaktive, optisch ansprechende Umsetzung.
Einfache Anwendbarkeit für Lehrpersonen, aber mit eingebauter Qualitätssicherung: Der Download der Materialien ist an eine kurze Überprüfung (Test oder E-Learning-Einheit) geknüpft, damit Begleithinweise tatsächlich zur Kenntnis genommen werden.
Workshop 2: Von Prinzipien zu Inhalten
Der Fokus beim zweiten Workshop vom 5. September 2026 lag darauf, die Ergebnisse des ersten Workshops zu konkretisieren und erste Inhalte sowie Methoden für die Toolbox und deren Entwicklung zu identifizieren. Politische Partizipation ist gemäss den Teilnehmenden breit zu denken. Und Politische Bildung ist auch von jenen her zu denken, die in der institutionalisierten Politik nicht partizipieren können.

Diese Ansprüche nimmt das Projektteam nun in die Entwicklungsarbeit mit. Die Resultate werden in weiteren Workshops reflektiert und weiterentwickelt.